Im Sommer 2025 bekam ich eine Anfrage von Roxanna Schmit von der Tageszeitung Kurier zu einem Kurzartikel über Leisure Crafting. In diesem Gespräch hatte ich Gelegenheit, die Idee des „sozialen Verwebens“ aus meiner Arbeit als systemischer Psychotherapeut in Krems vorzustellen. Soziales Verweben findet sowohl im Alltag, als auch in der systemischen Psychotherapie Bedeutung.
Was bedeutet „soziales Verweben“?
Beim sozialen Verweben geht es darum, eigene Fähigkeiten bewusst im Austausch mit anderen Menschen einzusetzen. Wenn wir unsere Stärken – etwa Kreativität, handwerkliche Fähigkeiten oder organisatorisches Talent – in Kontakte einbringen, entstehen neue Beziehungen, Ideen und Fertigkeiten. Diese neuen Erfahrungen können wiederum in weitere soziale Situationen „eingewoben“ werden. So entsteht nach und nach ein Netzwerk, das persönliche Entwicklung unterstützt und die psychische Gesundheit stärkt.
Leisure Crafting und soziales Verweben
Unter „Leisure Crafting“ versteht man eine aktive, selbstgestaltete Freizeit, in der Menschen neue Fähigkeiten erlernen oder vorhandene Stärken vertiefen – etwa eine neue Sportart, ein kreatives Hobby oder eine Sprache. Wenn solche Aktivitäten gemeinsam mit anderen stattfinden, entstehen natürliche Gelegenheiten für soziales Verweben: Man lernt sich kennen, teilt Erfolge und Frustrationen und unterstützt sich gegenseitig. Studien zeigen, dass sowohl kreative Tätigkeiten als auch soziale Kontakte emotionale Erschöpfung verringern und das Wohlbefinden steigern können.
Warum soziale Verbindungen die Psyche stärken
Soziale Verbindungen sind ein zentraler Schutzfaktor für unsere seelische Gesundheit. Forschungsergebnisse belegen, dass regelmäßiger Kontakt zu anderen Menschen Stress reduziert, Resilienz fördert und sogar Symptome von Angst und Depression abmildern kann. Wenn Menschen ihre Freizeit aktiv gestalten und diese Aktivitäten mit anderen verknüpfen, entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit und Sinn – beides wichtige Grundlagen für psychische Stabilität.
Wie kann ich soziales Verweben im Alltag verwenden?
Im Alltag kann soziales Verweben sehr unterschiedlich aussehen: vom gemeinsamen Musizieren, Malen oder Handarbeiten über ehrenamtliches Engagement bis hin zu Sportgruppen oder Lerntandems. Entscheidend ist, die eigenen Fähigkeiten nicht nur „für sich“ zu nutzen, sondern sie mit anderen zu teilen. In der Psychotherapie kann es hilfreich sein, gemeinsam zu überlegen, welche Stärken bereits vorhanden sind und in welchen sozialen Kontexten diese eingebracht werden können – als Schritt hin zu mehr Kontakt, Selbstwirksamkeit und psychischem Wohlbefinden.
Roxanna Schmit, Tageszeitung Kurier. (23. August 2025) Freizeit wie die Arbeitszeit planen – Strategisch – Was es mit „Leisure Crafting“ auf sich hat. https://kurier.at – Zugriff am 15. September 2025.